Wieso "GniGroMi"?

Gegenfrage: Wieso nicht?

Aber fangen wir ganz von vorne an:
Man findet in der Mittelalterszene zwei Begriffe, "A" und "Gni" (sprich "Das grosse A" und "Das kleine Gni"); diese Begriffe haben keine wirklich feste Definition und werden gern von den Vertretern der entsprechenden Fraktionen benutzt und verunglimpft.
Gerne wird z.B. für das "A", analog zum "gni" = geschichtsnah interpretiert, gesagt es stände für "Ausbuddeln und Anziehen", es steht jedoch für "Authentizität."

So einfach ist das Ganze natürlich nicht; aber wir versuchen hier eine kleine Abgrenzung zu treffen, teilweise sind die Grenzen jedoch verwischt und manches erscheint dem Laien willkürlich.

Akt 1: Living History vs. Fantasy

Wo ist hier der Unterschied? Einfach: Die Elbenohren und die Orkschwerter.

Aber nun etwas detailierter:
Diese erste Einteilung ist recht grob und beschreibt erst einmal den Unterscheid, ob die verkörperte Person, ihre Kleidung, ggf. Waffen und Erscheinungsbild in der Historie vorgekommen oder vorgekommen sein könnte (=Living History), oder aus dem Reich der Fiktion stammt (=Fantasy). Wir beschäftigen uns hier mit dem Gebiet der Living History  und nicht der Fantasy (zu dem auch das LARP [Live Action Role Playing] zählt).
Zwar gibt es dabei auch viele Strömungen und Untergruppierungen, auf die wir aus Mangel an Interesse und Zeit aber hier nicht eingehen wollen, also: Ab hier gibts keine Elbenohren, Fantasy-Äxte, Orkfratzen und Klingonenschwerter mehr.

Akt 1a: Living History und Reenactment

Ein Thema an dem sich die Geister (der Nationen) teilen; wird in der deutschen Mittelalterszene dort unterschieden, finden sich die Begriffe in der amerikanischen SCA (= Society for Creative Anachronism) als gleichwertige Synonyme.
Grundlegend kann man das Reenactment als Spielweise der Living History sehen:
Während bei Living History die historisch korrekte Darstellung des Lebens, inkl. Kleidung und Ausrüstung auf einen möglichst gering begrenzten Zeitraum im Vordergrund steht, wird dies beim Reenactment in gewisser Weise weiter eingegrenzt: auf eine Schlacht, inkl. dem gesamten historischen Schlachtverlauf bezogen und als Rahmen benutzt.

Akt 2: "Gni" und "A"

Hier ist die Unterscheidung schwerer, da 100%'iger A-Status nicht erreichbar ist und es viele Abstufungen sowohl im "A", als auch im "Gni" gibt. Verallgemeinernd lässt sich sagen das alle Dinge, die nachweisbar (archäologische Forschung, Bodenfunde, etc.) einer Epoche zugeordnet werden können, daher, das sie in einem gewissen Zeitabschnitt definitiv existiert haben als "A" gelten, alle Dinge, die möglich gewesen wären, aber nicht nachweisbar sind, als "Gni" gelten; zudem zählt zu "Gni" das Ersetzen von historischen Materialen durch andere, meist günstigere.

Akt 2a: "geschichtsnah interpretiert"

Hier findet sich so gut wie alles das weder den "A"-Anspruch erhebt, noch sich im Bereich der reinen Fiktion bewegt. So findet sich in diesem Bereich vom schwarzen Rüschenpiratenschnürhemd aus Viskose und dem Plastiklöffel bis zur Tunika mit Kaufhausgoldborte so gut wie alles, wenn man nur lange genug sucht.
Aber Vorsicht, gerade im Bereich des "Gni" finden sich viele verschiedene Abstufungen, je nach persönlichem Geschmack. So gibt es als ein Extremtypus Menschen, die darin die Erfüllung finden in mittelalterlicher Ambiente und Minimalgewandung zu grillen und zu trinken, andere finden sich im "Gni" nur, weil sie nicht genug Geld oder Wissen haben, um "A" zu werden. Die meisten jedoch haben mit der Zeit ihren Level gefunden, meist ein Abwägen zwischen den Finanzen, dem Aufwand der Umsetzung und der Zeit.

Akt 2b: "Das grosse A"

Oft versucht und nie erreicht! Wieso? Weil nur eine Annäherung an die Materie möglich ist; die angestrebte Darstellung kann nur auf den neusten archäologischen Forschungen beruhen und nie den Anspruch erheben 100% von dem darzustellen wie es einmal wirklich war; (wäre dies möglich, gäbe es keinen Grund mehr in diesem Bereich archäologische Forschung zu betreiben).
Aber auch wenn eine perfekte historische Darstellung nicht möglich ist, so kann man versuchen wenigstens das bekannte detailgetreu darzustellen, auch wenn es bedeutet, das man nach einem Monat leider feststellen muss das die Forschung ergeben hat, das die verwendeten Knöpfe anders waren und man seine Gewandung freiwillig umarbeitet.
Eine weitere Grundbedingung ist es sich auf eine feste Zeit, daher ein Jahr oder ein Jahrzehnt festzulegen, da es nur so möglich ist eine möglichst getreue Darstellung zu erzielen. Da die Entwickung und Mode jedoch auch stark abhängig vom Stand und der Region sind, ist auch diese mit Bedacht zu wählen.

Akt 3: "Grobmittelalter"

Das Mittelalter wird normalerweise dreigeteilt: das Frühmittelalter, Hochmittelalter und Spätmittelalter. (Analog nennen sich die Darsteller dann "FrüMi's", "HoMi's" und "SpäMi's"). Sollte man sich auf keine dieser Epochen festgelegt haben, oder epochenübergreifende Ausrüstung haben, spricht man vom "Grobmittelalter" bzw. den "GroMi's".
 

Aber zurück zum Lagernamen "GniGroMi"

Natürlich ist der Lagername übertrieben und absichtlich gewählt. Wir zählen uns selbst zu der Gruppe der "Gni'ler", jedoch zu der Sorte, die den Status des "Gni"-seins nur als Übergangsphase hat, da wir langsam dabei sind das nötige Wissen zu sammeln und Stück um Stück dabei sind unsere vorhandene Ausrüstung (soweit wie möglich) umzuarbeiten, damit diese historisch korrekt ist und neue anzuschaffen. Gleichzeitig versuchen wir auch zweigleisig zu fahren: eine Garnitur an Hochmittelalter-Ausrüstung und eine an Spätmittelalter-Ausrüstung zu komplettieren, damit wir beide Epochen abdecken können, wir sind somit:

...auf dem Weg zur Authentizität...

Wir freuen uns über jede Hilfe die man uns auf diesem Wege gibt; sei es konstruktive Kritik, Schnittmuster, gemeinsame Unternehmungen, historische Unterlagen oder interessante Links, was auch immer ihr denkt das wir gebrauchen können.

Auf diesem Wege möchten wir aber auch zeigen das "Gni" nicht automatisch Pannesamt und Rüschenhemd bedeutet, wer immer noch der Meinung ist kann uns natürlich gerne auf einem Mittelalter-Markt besuchen und sich vom Gegenteil überzeugen lassen; gegen die grosse Menge an Jogginghosen, Piratenhemden, Christbaum-Look, Aluminiumkettenhemden und ähnlichem können wir leider nichts tun, aber wir versuchen mit bestem Beispiel voran zu gehen.